Kollektiv

Von Beginn an waren uns flache Hierarchien wichtig und wir haben ein partizipatives Miteinander auf Augenhöhe gelebt. Mit der Eröffnung unserer Rösterei sind wir diesen Weg der Zusammenarbeit konsequent weitergegangen und haben ein Kollektiv gegründet. Formal-juristisch sind wir weiterhin eine GmbH, da ein Kollektiv im deutschen Recht keine offizielle Gesellschaftsform ist – intern organisieren wir uns aber als ein solches.

Kollektives Arbeiten zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass alle im Team gleichberechtigt sind und als gleichwertig angesehen werden. Alle haben also die gleichen Rechte, aber auch die gleichen Pflichten. Konkret bedeutet das z.B., dass allen Kollektivmitgliedern zu gleichen Teilen das Unternehmen gehört und sich niemand in Lohnarbeit und somit einem Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber befindet. Alle bekommen das gleiche Stundengehalt, unabhängig von der Tätigkeit – denn jede Tätigkeit ist wichtig für den Betrieb und kein Job-Profil mehr oder weniger wert. Ebenso ist jede Meinung und Stimme gleich viel wert. In zweiwöchentlichen Plenumssitzungen diskutieren und entscheiden wir gemeinsam über die Themen, die alle betreffen. Einzelne Themenbereiche wie Kaffeevertrieb, Essensangebote oder Marketing entwickeln und entscheiden wir in unterschiedlichen, weitestgehend autonomen Arbeitsgruppen. Kollektives Arbeiten bedeutet aber auch, dass alle die gleiche Verantwortung tragen und sich auf die gemeinsame Unternehmung gleichermaßen committen.

Da die Zusammenarbeit im Kollektiv ein hohes Vertrauen und die Fähigkeit, gemeinsam zu kooperieren, zu diskutieren und zu entscheiden erfordert, gibt es eine Probezeit von einem Jahr, bevor sich beide Seiten einstimmig für einen Kollektiveintritt entscheiden. Aktuell befinden wir uns noch in einer Übergangszeit, in der die meisten Menschen im Team Kollektivmitglieder in Probezeit sind und es auch noch ein paar Aushilfskräfte gibt. Das hält uns aber nicht davon ab, schon jetzt das kollektive Miteinander zu erproben und miteinander zu lernen.

Für uns ist die Kollektivgründung ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, als Unternehmen alternative, zukunftsfähige Strukturen zu leben, die bewusst mit gängigen Paradigmen des Kapitalismus brechen. Unser aktuelles kapitalistisches Wirtschaftssystem, das auf Gewinnmaximierung, bedingungslosem Wachstum, Ausbeutung von Menschen und Umwelt, Abhängigkeitsverhältnissen und Privatisierung von Gewinnen basiert, hat uns in eine Sackgasse geführt. Es ist an der Zeit, neue Konzepte des Wirtschaftens zu schaffen, die das Wohlergehen aller und den Erhalt einer lebenswerten Umwelt in den Mittelpunkt stellen. Und genau das tun wir mit dem Avenir.

Wenn Du tiefer in das Thema der kollektiven Organisation eintauchen möchtest, sieh Dir gerne unser Statut an, das unseren Unternehmenszweck festschreibt, alle Fragestellungen unserer Zusammenarbeit regelt und das alle Kollektivmitglieder vor dem offiziellen Eintritt in das Kollektiv unterschreiben. Selbstkritisch müssen wir sagen, dass wir noch nicht alle uns im Statut gesetzten Ziele einlösen konnten. Noch haben wir es nicht geschafft, aus den prekären Arbeitsverhältnissen, die in der Gastro üblich sind, rauszukommen. Das bezieht sich sowohl auf die angestrebte Bezahlung und gleiche Gehaltsstrukturen, als auch auf den Urlaubsanspruch und unsere interne Organisation. Besonders in diesen Bereichen sind wir noch weit von unseren gesteckten Zielen entfernt.

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